Publikum ist geschockt und beeindruckt zugleich

 

Hope Theater

„Hope Theatre“ aus Kenia thematisiert Flucht und Korruption / Leben der Slum-Bewohner macht fassungslos
„Ihr Europäer seid doch alle gleich! Kommt ein Mal, um zu helfen, fühlt euch wie die gutherzigsten Menschen der Welt, und lasst euch dann nie wieder blicken“, warfen Jugendliche aus Kenias Hauptstadt Nairobi dem Theaterregisseur Stephan Bruckmeier vor sieben Jahren vor, als dieser einen einmaligen Theaterworkshop im Slum mit der legendären Müllhalde anbot. Diese Beschuldigung ging ihm wohl nah. So nah, dass er mit den interessierten Jugendlichen ein Theater gründete und jährlich nach Kenia flog. Seitdem ist das selbstverwaltete „Hope Theatre“ gewachsen und war nun in Ettlingen zu Gast. 14 Schauspieler ab 20 Jahren verdienen ihren Lebensunterhalt mit Auftritten oder Workshops in Kenia – und touren jedes Jahr einige Monate lang durch Deutschland. Auf der Bühne thematisieren die Schauspieler, die teilweise aus anderen Ländern nach Kenia geflohen sind, Beziehungen zwischen Europa und Afrika und Themen wie Flucht, Fairness oder Korruption. In kurzen politischen Theaterszenen, meist selbst geschrieben, treffen sie harte Statements. Bei ihrem Auftritt am Freitag den 20. Mai im Eichendorff-Gymnasium inszenierten sie Interviews geflohener Menschen über ihre Flucht, zeigten gängige Situationen aus ihrem Leben im Slum oder machten mit Hilfe eines deutschen Freiwilligen in einer Gerichtsszene auf Korruption in der Justiz aufmerksam – so wurde einem reichen hellhäutigen Touristen aufgrund seiner „Vertrauenswürdigkeit“ Glauben geschenkt – nicht der vergewaltigten Slumbewohnerin. Die Szenen wechselten mit traditionellen Tänzen, kleinen Übungen zum Mitmachen, Musik sowie mit beeindruckenden Monologen des Regisseurs Bruckmeier, der mit Gänsehaut erzeugenden Schilderungen der inhumanen Umstände in den Slums Fassungslosigkeit hervorrief.
„Überlegen Sie sich manchmal, was das ist – ein Mensch?“, fragte er die Zuschauer und berichtete vom Kampf mit dem Hunger, gefährlichen Arbeiten und erniedrigenden Situationen.

Die Aufführung gipfelte in einer satirischen Szene, in der die Schauspieler kurzzeitig in die Rollen von Politikern schlüpften und das Vorgehen deutscher Regierungsmitglieder in der „Flüchtlingsfrage“ kritisch in Frage stellten. Die etwa hundert Zuschauer, die das Hope Theatre erlebten, waren allesamt begeistert von der Offenheit der Kenianer, beeindruckt von ihrem Talent und geschockt von den Inhalten zugleich. Umso entsetzter waren sie, dass sich die Theatertour kaum über Wasser halten kann, die Schauspieler als solche nicht ernst genommen werden.

Die Menschen empfänden zwar Mitgefühl mit der Situation der Slumbewohner, könnten ihre berufliche Leistung aber nicht als solche anerkennen, erklärte der Regisseur. „Unser Motto lautet Arbeit statt Mitleid. Ich möchte beweisen, dass Menschen aus Slums das selbe erreichen können, wenn sie eine Chance bekommen“, sagte Stephan Bruckmeier, der neben seinem Beruf seine gesamte Energie ehrenamtlich in das Projekt investiert.

„Ein solches „Leuchtturmprojekt“ gilt es auf jeden Fall zu unterstützen“, fand Patrick Jutz, der das Hope Theatre als Sprecher des Arbeitskreises Asyl nach Ettlingen eingeladen hatte. Denn es gebe vielen Menschen Sinnhaftigkeit und es sei ein kleiner Lichtpunkt im Dunkeln.

Artikel von Claudia Förster
Mit freundlicher Genehmigung der BNN

5 Jahren ago