Hochbetrieb in der Werkstatt

„Da war richtig was los!“  Die treffende Beschreibung für den Betrieb vor der Fahrradwerkstatt am vergangenen Freitag. Dabei waren wir gut besetzt. Armin war seit langem wieder dabei. Und er hat z.B. das Rücklicht beim BMW-Renner wieder in Gang gebracht. Tina hat sich ein rotes Herrenrennrad vorgenommen und das eine oder andere daran verbessert. Außerdem hat sie sich mit zwei „Damen-Oldtimern“ befasst, von denen das Klapprad sicher einen Käufer finden wird. Werner hat – nach kurzer Einweisung – sich ein gelb markiertes bike geschnappt und – entsprechend unserer Einteilung – brauchbare Teile abmontiert.

Ja, unsere Einteilung! Vergangenen Montag hatten Stefan, Tina und ich den Bestand in Werkstatt und Keller in drei Kategorien eingeteilt und entsprechend markiert:  silberner Stern = ein Fahrrad, das ausgabefähig ist ;  roter Punkt = ein Fahrrad, das insg. in Ordnung ist aber repariert werden muss; gelber Punkt = ein Fahrrad, das entweder komplett oder in Teilen entsorgt wird.

Michael hat sich mit der Nabenschaltung bei einem Jugendfahrrad beschäftigt und Jean hat dem einen oder anderen Bekannten bei der Reparatur geholfen. Wenn ihr aber denkt, dass damit eine quasi „Schrauberidylle“ (= seliges Vor-sich-hinschrauben ohne Störung) beschrieben werden sollte, habt ihr euch getäuscht. Es kamen etliche Kunden, die Fahrräder suchten oder Fahrräder gespendet haben. Da war z.B. eine Mutter mit ihrer 10jähigen Tochter, die eigentlich Fahrräder tauschen wollte. Wir konnten ihr aber durch einige kleinere Reparaturen beweisen, dass ihr Fahrrad noch ziemlich leicht in Ordnung gestellt werden kann. Am Fahrrad ihrer Tochter haben wir durch eine neue Sattelstange die Sitzposition ihrer Größe angepasst. Eine mit ihnen bekannte Iranerin wollte ein neues Fahrrad, weil sie sich mit ihrem Fahrrad (wegen der Gebrauchsspuren am Vorbau) angeblich schämte. Der habe ich einen anderen Vorbau zum nächsten Mal versprochen. Hab ich bei mir schon zurechtgelegt. Und dann kam eine Familie und holte sich das von uns reparierte „Flyer“ ab. Sie war sehr zufrieden. Ihrem zwölfjährigen Sohn allerdings waren unsere teils neuwertigen Jugendräder „nicht cool genug“. Kann man nichts machen.

Inzwischen wurden zwei bikes als Spende abgegeben, von denen eines sehr ordentlich ist. Das andere bekommt vielleicht den gelben Punkt. Muss noch einer mal drüberschauen. Ein syrischer Vater war mit den beiden Söhnen  aufgetaucht und gleich fündig geworden für die Knaben. Ein bike hat er gleich mitgenommen. Das andere haben wir für nächsten Freitag reserviert. Ein anderer Syrer suchte ein Laufrad für den noch recht kleinen Sohn (2,5 Jahre). Haben wir natürlich auch und zwar nagelneu. Dafür muss allerdings ein Pfand von 30€ hinterlegt werden. Das wird er nächsten Freitag erledigen.

Und dann kam ein junger Syrer mit Freunden, um an seinem Rad das defekte Schaltwerk zu ersetzen und die Schaltung dann wieder einzustellen. Im Zuge der Reparatur hat sich herausgestellt, dass auch die Kette ersetzt und angepasst werden musste. Weil er recht spät kam, haben wir das an diesem Freitag nicht mehr geschafft. Also ließ er sein Fahrrad bei uns und bat um ein Ersatzbike. Das Leihbike – schneller Griff meinerseits – wollte er allerdings nicht akzeptieren. Die Alternative .. dann eben seine Wege zu Fuß zu erledigen – hat ihm aber noch weniger gefallen. Also ist er doch mit dem von mir ausgesuchten Leihrad (Hollandstil) abgezogen.

Dann tauchte ein junger Mann auf, der von uns inzwischen drei Räder bekommen hat, und wollte erneut ein Rad haben. Am besten zum Nulltarif. Da wir aber inzwischen erfahren haben, das er seine Räder auch gern mal weiterverkauft, ist er diesmal leer ausgegangen. Soll er nächstes Jahr wiederkommen. Tja, so kann’s auch mal gehen. Ich hab zwar kein Elefantengedächtnis, aber andere denken mit und geben Hinweise und Tipps, so dass man nicht ständig an der Nase herumgeführt wird.

In der abschließenden Runde haben wir über die Vorschläge zur Änderung unserer Öffnungszeit gesprochen und uns auf den neuen Termin ab 31.5. geeinigt:  Montag von 16 Uhr  –  19 Uhr. Wir hoffen, dass wir dadurch keiner Aktivität des Jugendzentrums Specht in die Quere kommen. Die Verlegung des Freitagtermins nach hinten in den Abend oder eines Samstagtermins findet keine Mehrheit bei uns. Ja, und wie immer ergab sich natürlich wieder ein Gespräch über den Trend des “ immer leichter und leichter und leichter“ unter Fahrrad-Freaks. Da hat natürlich Werner seine Kenntnisse zum Besten gegeben.  Und es ist natürlich auch eine originelle Anekdote dabei gewesen. Lasst sie euch von Werner selber erzählen. Am Samstag habe ich zwei ordentliche Damenfahrräder bei einem iranischen Paar abgeholt. Die uns bekannte Iranerin hatte sie von uns bekommen und fährt jetzt mit einem ebike zu ihren Pflegepersonen.   

Herzlich Manfred

5 Monaten ago